Das lebendige Feuer

•7. November 2017 • Schreibe einen Kommentar

Liebe Milena, es hat mich betrübt, auf Umwegen zu hören, wie Sie im Nachhinein über mich dachten. Über meine Gefühle für Sie war ich mir nicht sonderlich im Klaren, doch hatte ich, der ich eher Sensor bin als Macher, Ihre Gefühle für mich ganz klar zu sehen gemeint. Ihr K.

– Justinian Belisar (© 2017)

(50 Wörter)

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•1. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Beiträge: 23
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Süßes japanisches Maderl, ca. 17 Jahre alt, das unter anderem gern beim Essen Selfies macht und diese sofort hochlädt. Bevorzugt Klöße, Suppen, Eis-Creationen, idyllische Orte, Brücken, Sonnenuntergänge im Hintergrund, Eulen, Ausblicke auf Meere und Seen, Straßenszenen, japanische Kleidung.
Vielversprechender Stern am Himmel von Instagram.

– Cora Ebenezar (© 2017)

(50 Wörter)

Der Honigmond

•14. März 2017 • Schreibe einen Kommentar

Paris, Madrid, Venedig, Rom, London, Stonehenge, Berlin, Moskau, können wir nur einmal im Leben machen, alles was gesehen muss muss dabei sein, Heidelberg, Neuschwanstein, Monaco, Oberammergau, München, Pisa, Florenz, Barcelona, an jedem Ort Selfies fürs virtuelle Album, Sprünge per Flieger, Lissabon, Kopenhagen, Istanbul, Stockholm nicht, Schweden doch nicht so wichtig.

– Cora Ebenezar (© 2017)

50 Wörter

Der Schauspieler Fabian Krötz zu seiner abgerissenen Rolle

•21. Dezember 2016 • Schreibe einen Kommentar

“Da sehen Sie mich in meiner bekannten abgerissenen Rolle – ich habe vor einem Monat meine Frau verloren, weil sie mit meinem seit drei Jahren verwitweten Schwager davonlief, dann habe ich vor zwei Wochen meine beiden Kinder durch einen Autounfall verloren – sie saßen zu zweit vorne neben dem mir bis dahin unbekannten Fahrer in einem altersschwachen Fiat Ducato, und alle drei wurden an einer grünen Ampel durch einen Querschläger getötet, der durch die rote Ampel fuhr. Die Arbeit habe ich vor längerer Zeit durch den Selbstmord meines Chefs verloren, seither spreche ich mehr oder weniger regelmäßig beim Arbeitsamt vor. Außerdem habe ich vor zweieinhalb Jahren meinen Großvater und vor anderthalb Jahren gleichzeitig meinen Vater und meine Mutter aufgrund von Kohlenmonoxidvergiftung verloren. Nur um zu verdeutlichen, was es mit dieser abgerissenen Rolle auf sich hat. Ich trinke viel, ich esse wenig, ich rauche kettenmäßig. Ich dusche kaum noch, Deo ist out. Sie können sich vorstellen, wie das riecht. Ich wechsle kaum die Kleider, habe auch niemand, der sie wäscht. Die Putzfrau, Afghanin, wurde ausgewiesen. Der Postbote ebenfalls. Eine äußerst klamme Lage, meine Damen und Herren, und definitiv Anlass zur Abgerissenheit dieser Rolle. Da ist das Foto. Irgendwelche Fragen, meine Damen und Herren?”

– Justinian Belisar (© 2016)

(200 Wörter)

11 Einkäufe

•22. August 2016 • 1 Kommentar

Montag war Madeleines Tag für Einkäufe, denn am Samstag erledigten zu viele andere Leute ihre Einkäufe. Mit fünf Taschen für ihre Einkäufe ausgerüstet, trat Madeleine den Weg an. Sie erledigte ihre Einkäufe immer in fünf Läden. Nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hatte, war auch sie selbst stets erledigt. Mit einem Seufzer setzte sie die Taschen mit den Einkäufen vor dem Aufzug ab. Gott sei Dank gab es einen Aufzug, sonst hätte sie ihre Einkäufe auf zwei Tage aufteilen müssen. Für sperrige Einkäufe gab es Gott sei Dank ihren Nachbarn Marco und dessen Renault Mégane. In der Küche angekommen, stellte sie die Einkäufe vor dem Kühlschrank ab, da die meisten in den Kühlschrank kamen. Heute hatte sie € 98,58 für ihre Einkäufe ausgegeben. Von wegen keine Inflation! Lebensmittel wurden jeden Tag teurer. In ca. 10 Minuten brachte sie die Einkäufe im Kühlschrank und in den anderen Schränken unter. Effizienz! Wieder etwas geschafft.

– Erika Bedardi (© 2016)

(150 Wörter)

Die Autorin über diese Geschichte
Auslöser waren ein Einkauf zu Fuß in der prallen Augustsonne und Beobachtungen anderer Leute, die schwitzend ihre Einkaufstaschen schleppten sowie der Geistesblitz, in aller Kürze eine Art Oulipo-Übung zu schreiben, in der das Wort Einkäufe zehnmal vorkommen sollte. Letztendlich wurden es dann elf Einkäufe. Nur das Allerbanalste, Alltäglichste sollte Erwähnung finden. Ein bisschen wie in Raymond Queneaus Zazie dans le métro, obwohl das eher ein Vergleich zwischen einer Erbse und einem Kürbis ist.

Der Leser geht durch die Baracke

•10. Juni 2016 • 2 Kommentare

“Wieder beim Lesen erwischt!”
“Ist ein Roman.”
“Was passiert?”
“Heldin stirbt an Krebs.”
“Der neueste John Green? Musst du dir das antun?”
“Nicht das Ziel zählt, sondern der Weg.”
“Kenne ich genau umgekehrt.”
“Sie stirbt mit ihrem Schicksal versöhnt und hinterlässt –”
“Tränen? – Nein danke, ich verzichte. Ist mir zu real.”

– Cora Ebenezar (© 2016)

(50 Wörter)

Ein ungeklärter Kurzfilm

•12. Mai 2016 • 4 Kommentare

Die Straßen von Rom (Via Joyce)

Eine Großstadtvorstadt. Vielleicht Italien, vielleicht Rom. Eine schmale, löchrige Straße mit Grünstreifen und Bäumen in der Mitte, auf beiden Seiten achtstöckige Wohnblocks, gebaut ca. 1985, mit Gebrauchsspuren.

Kamera auf Adrian in der aufgeräumten, etwas leer und unbenutzt anmutenden Küche seiner Wohnung im fünften Stock des Wohnblocks links.

Er schaut auf die Armbanduhr, dann die Küchenuhr. Öffnet die Tür zum Balkon, geht hinaus und ans Geländer.

Blick auf die Balkone des gegenüberliegenden Wohnblocks. Zoom auf den Balkon direkt gegenüber. Nach kurzer Zeit geht die Tür zu diesem Balkon auf und eine Frau im Morgenmantel mit duschnassem Haar tritt heraus.

Unser Held beobachtet die Frau.

Die Frau betastet die Erde eines Blumenkastens, holt auf der linken Ecke des Balkons eine Gießkanne und gießt nacheinander alle vier Blumenkästen.

Sie stellt die Gießkanne wieder an ihren Platz, kommt zurück zum Geländer und schaut. Es könnte sein, dass sie auch Adrian anschaut.

Sie zupft sich kurz das Haar zurecht. Sie verlässt den Balkon, schließt die Tür und lässt die Rollos von Tür und Fenster herab.

Fokus auf Adrian, der weiterhin am Geländer seines Balkons steht. Seine Hände sind am Geländer verkrampft. Blick in sein Gesicht – seine Züge arbeiten, er hat Tränen in den Augen.

Ende.

– Nicole Weiß (© 2016)

(200 Wörter)

 
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