Die sprechende Katze

•6. November 2018 • Schreibe einen Kommentar

“Ja, Englisch und Französisch spreche ich auch. Ich stamme aus Marokko. Frag mich nicht, wie ich hier auf diesem elenden Bauernhof gelandet bin. Siebenundzwanzig Würfe habe ich auf die Welt gebracht. Das Leben ist hart. Der Bauer ist ein grausamer Kotzbrocken. Er tritt uns, wann immer er kann. Sale brute.”

– Johannes Beilharz (© 2018)

(50 Wörter)

Nachbemerkung des Autors
Das ist ein ziemlich wortgetreuer Ausschnitt aus einem Traum, den ich letzte Nacht hatte. Die Katze, mittelgroß, grau und langhaarig, hatte mich zunächst angefaucht, als ich mit dem Fahrrad auf dem Bauernhof in der Nähe von Beuren ankam. Ich stieg ab und setzte mich auf einen großen Holzblock, der vor dem Haus lag, und sie kam mit drei jüngeren Katzen, die ihr ähnlich sahen, setzte sich mir gegenüber auf den Boden und erzählte das oben Geschilderte.

Advertisements

Ich brachte Tee und Gebäck

•17. August 2018 • Schreibe einen Kommentar

Ach diese leidende Miene!
“Was soll mir das! Du weißt doch, dass ich Zucker vermeide – ist ungesund.”
“Ich wollte dir nur …”
“Und Tee soll anregen – ja, wenn mir das nur helfen würde.”
“Du hast doch früher gern Tee getrunken…”
“Früher! Ja, früher, als …”
“Als?”
“Als es mir noch gut ging.”
Wann ist es dir je gut gegangen.
“Dann nehm ich’s eben wieder mit.”
“Wieder eine Erinnerung daran, wie die Welt ist.”
“Ja, so ist nun mal die Welt.”
Voller guter Vorsätze, die an ehernen Panzern verquerer Psyche zerbrechen. In diesem Fall. Man soll nicht verallgemeinern.
“Ich verlasse deine Welt.”
“Ach!”

– Noémie Labaleye (© 2018)

Anmerkung der Autorin, die diese Ultrakurzgeschichte unter Pseudonym einreichte: “Eine winzige Charakterstudie, die auf einer etwas schwierigen Person beruht, mit der ich in der Vergangenheit durch Verwandtschaftsbande zu tun hatte.”

Natürlich

•23. April 2018 • 2 Kommentare

Kaputt, Foto von Johannes Beilharz (2018)

Natürlich haben wir über den Film gelacht, den sie bei uns im Viertel gedreht haben. Bis uns die Tränen gekommen sind. Kaputt ist eben vor allem kaputt und wird erst durch eine Kamera amüsant. Mittlerweile kommen schon Fototouris, um mit unserer Kaputtheit als Hintergrund ihre Selfies zu schießen. Schöne Welt.

– Justinian Belisar (© 2018)

(50 Wörter)

Das lebendige Feuer

•7. November 2017 • Schreibe einen Kommentar

Liebe Milena, es hat mich betrübt, auf Umwegen zu hören, wie Sie im Nachhinein über mich dachten. Über meine Gefühle für Sie war ich mir nicht sonderlich im Klaren, doch hatte ich, der ich eher Sensor bin als Macher, Ihre Gefühle für mich ganz klar zu sehen gemeint. Ihr K.

– Justinian Belisar (© 2017)

(50 Wörter)

Bereits beliebt

•1. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Beiträge: 23
Abonnenten: 5744
Abonniert: 20
Süßes japanisches Maderl, ca. 17 Jahre alt, das unter anderem gern beim Essen Selfies macht und diese sofort hochlädt. Bevorzugt Klöße, Suppen, Eis-Creationen, idyllische Orte, Brücken, Sonnenuntergänge im Hintergrund, Eulen, Ausblicke auf Meere und Seen, Straßenszenen, japanische Kleidung.
Vielversprechender Stern am Himmel von Instagram.

– Cora Ebenezar (© 2017)

(50 Wörter)

Der Honigmond

•14. März 2017 • Schreibe einen Kommentar

Paris, Madrid, Venedig, Rom, London, Stonehenge, Berlin, Moskau, können wir nur einmal im Leben machen, alles was gesehen muss muss dabei sein, Heidelberg, Neuschwanstein, Monaco, Oberammergau, München, Pisa, Florenz, Barcelona, an jedem Ort Selfies fürs virtuelle Album, Sprünge per Flieger, Lissabon, Kopenhagen, Istanbul, Stockholm nicht, Schweden doch nicht so wichtig.

– Cora Ebenezar (© 2017)

50 Wörter

Der Schauspieler Fabian Krötz zu seiner abgerissenen Rolle

•21. Dezember 2016 • Schreibe einen Kommentar

“Da sehen Sie mich in meiner bekannten abgerissenen Rolle – ich habe vor einem Monat meine Frau verloren, weil sie mit meinem seit drei Jahren verwitweten Schwager davonlief, dann habe ich vor zwei Wochen meine beiden Kinder durch einen Autounfall verloren – sie saßen zu zweit vorne neben dem mir bis dahin unbekannten Fahrer in einem altersschwachen Fiat Ducato, und alle drei wurden an einer grünen Ampel durch einen Querschläger getötet, der durch die rote Ampel fuhr. Die Arbeit habe ich vor längerer Zeit durch den Selbstmord meines Chefs verloren, seither spreche ich mehr oder weniger regelmäßig beim Arbeitsamt vor. Außerdem habe ich vor zweieinhalb Jahren meinen Großvater und vor anderthalb Jahren gleichzeitig meinen Vater und meine Mutter aufgrund von Kohlenmonoxidvergiftung verloren. Nur um zu verdeutlichen, was es mit dieser abgerissenen Rolle auf sich hat. Ich trinke viel, ich esse wenig, ich rauche kettenmäßig. Ich dusche kaum noch, Deo ist out. Sie können sich vorstellen, wie das riecht. Ich wechsle kaum die Kleider, habe auch niemand, der sie wäscht. Die Putzfrau, Afghanin, wurde ausgewiesen. Der Postbote ebenfalls. Eine äußerst klamme Lage, meine Damen und Herren, und definitiv Anlass zur Abgerissenheit dieser Rolle. Da ist das Foto. Irgendwelche Fragen, meine Damen und Herren?”

– Justinian Belisar (© 2016)

(200 Wörter)

 
%d Bloggern gefällt das: