11 Einkäufe

•22. August 2016 • Schreibe einen Kommentar

Montag war Madeleines Tag für Einkäufe, denn am Samstag erledigten zu viele andere Leute ihre Einkäufe. Mit fünf Taschen für ihre Einkäufe ausgerüstet, trat Madeleine den Weg an. Sie erledigte ihre Einkäufe immer in fünf Läden. Nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hatte, war auch sie selbst stets erledigt. Mit einem Seufzer setzte sie die Taschen mit den Einkäufen vor dem Aufzug ab. Gott sei Dank gab es einen Aufzug, sonst hätte sie ihre Einkäufe auf zwei Tage aufteilen müssen. Für sperrige Einkäufe gab es Gott sei Dank ihren Nachbarn Marco und dessen Renault Mégane. In der Küche angekommen, stellte sie die Einkäufe vor dem Kühlschrank ab, da die meisten in den Kühlschrank kamen. Heute hatte sie € 98,58 für ihre Einkäufe ausgegeben. Von wegen keine Inflation! Lebensmittel wurden jeden Tag teurer. In ca. 10 Minuten brachte sie die Einkäufe im Kühlschrank und in den anderen Schränken unter. Effizienz! Wieder etwas geschafft.

– Erika Bedardi (© 2016)

(150 Wörter)

Die Autorin über diese Geschichte
Auslöser waren ein Einkauf zu Fuß in der prallen Augustsonne und Beobachtungen anderer Leute, die schwitzend ihre Einkaufstaschen schleppten sowie der Geistesblitz, in aller Kürze eine Art Oulipo-Übung zu schreiben, in der das Wort Einkäufe zehnmal vorkommen sollte. Letztendlich wurden es dann elf Einkäufe. Nur das Allerbanalste, Alltäglichste sollte Erwähnung finden. Ein bisschen wie in Raymond Queneaus Zazie dans le métro, obwohl das eher ein Vergleich zwischen einer Erbse und einem Kürbis ist.

Der Leser geht durch die Baracke

•10. Juni 2016 • 2 Kommentare

“Wieder beim Lesen erwischt!”
“Ist ein Roman.”
“Was passiert?”
“Heldin stirbt an Krebs.”
“Der neueste John Green? Musst du dir das antun?”
“Nicht das Ziel zählt, sondern der Weg.”
“Kenne ich genau umgekehrt.”
“Sie stirbt mit ihrem Schicksal versöhnt und hinterlässt –”
“Tränen? – Nein danke, ich verzichte. Ist mir zu real.”

– Cora Ebenezar (© 2016)

(50 Wörter)

Ein ungeklärter Kurzfilm

•12. Mai 2016 • Schreibe einen Kommentar

Die Straßen von Rom (Via Joyce)

Eine Großstadtvorstadt. Vielleicht Italien, vielleicht Rom. Eine schmale, löchrige Straße mit Grünstreifen und Bäumen in der Mitte, auf beiden Seiten achtstöckige Wohnblocks, gebaut ca. 1985, mit Gebrauchsspuren.

Kamera auf Adrian in der aufgeräumten, etwas leer und unbenutzt anmutenden Küche seiner Wohnung im fünften Stock des Wohnblocks links.

Er schaut auf die Armbanduhr, dann die Küchenuhr. Öffnet die Tür zum Balkon, geht hinaus und ans Geländer.

Blick auf die Balkone des gegenüberliegenden Wohnblocks. Zoom auf den Balkon direkt gegenüber. Nach kurzer Zeit geht die Tür zu diesem Balkon auf und eine Frau im Morgenmantel mit duschnassem Haar tritt heraus.

Unser Held beobachtet die Frau.

Die Frau betastet die Erde eines Blumenkastens, holt auf der linken Ecke des Balkons eine Gießkanne und gießt nacheinander alle vier Blumenkästen.

Sie stellt die Gießkanne wieder an ihren Platz, kommt zurück zum Geländer und schaut. Es könnte sein, dass sie auch Adrian anschaut.

Sie zupft sich kurz das Haar zurecht. Sie verlässt den Balkon, schließt die Tür und lässt die Rollos von Tür und Fenster herab.

Fokus auf Adrian, der weiterhin am Geländer seines Balkons steht. Seine Hände sind am Geländer verkrampft. Blick in sein Gesicht – seine Züge arbeiten, er hat Tränen in den Augen.

Ende.

– Nicole Weiß (© 2016)

(200 Wörter)

Die Kurzversion vom Spiel der Throne

•28. März 2016 • Schreibe einen Kommentar

Schwertergeklirr. Intrigen. Kinderreichtum. Sex.
Kleine Drachen mit Menschenmutter.
Mehr Sex, diesmal mit einem Zwerg und etlichen Teilnehmerinnen.
Spritzendes Blut. Durchschnittene Kehlen.
Schwertergeklirr. Intrigen. Mord. Liebe überwindet alles. Oder doch nicht? Sex.
Zauberei. Die Drachen werden größer.
Sex. Einer, der durch andere sehen kann.
Eine ganze Familie nach und nach ausgelöscht. Wie bei Shakespeare.
Wieder mal Sex. Schwertergeklirr.
Gefasel um Schicksal. Inzest. Ein Paar freut sich auf die Nachkommenschaft.
Wird bei einer Hochzeit zur Strafe getötet durch Armbrustschützen, die reinste Maschinengewehrarbeit leisten.
Zynische alte Hurenböcke.
Erweiterte Familienpolitik. Jungfrauen geopfert auf dem Alter der Politik.
Sex. Schwertergeklirr. Intrigen. Unglaublicher Mut. Abgrundtiefe Feigheit.
Ein Adler, dessen Flug irgendwas ankündigt.
Sex. Schwertergeklirr.
Die weiße Mauer. Böse rotäugige Geister.
Sex und Verrat.
Violinengeschrammel. Kampflärm.
Nackte Brüste, nackte Hintern, nackte Vordern.
Schwertergeklirr. Pferdegewieher. Kampfhandlungen, manche im Bett.
Böse Leute, gute Leute, komplexe Leute. Manche, die nach Machtantritt böse werden. Manche werden plötzlich gut.
Arm ab.
Schwertergeklirr. Pferdegewieher. Sex.
Genuschel in einer erfundenen Sprache, die wie Rumänisch klingt, mit Untertiteln.
Special Effects.
Schwertergeklirr. Pferdegewieher. Dreier- und Fünfersex.
Mittelalter mit Mehrwert. Und so weiter. So wie es garantiert nie war.
Viel aufregender.
Spritzendes Blut. Schwertergeklirr. Zur Abwechslung wieder Sex.
Und so weiter. Jahrelang.
Schwertergeklirr. Sex. Blutverguss. Unglaublich beliebt.

– Justinian Belisar (© 2016)

(200 Wörter)

Männersonntagsgespräche ca. 1963

•11. März 2016 • Schreibe einen Kommentar

Ford 15m Weltkugel

– Wie war die Fahrt?
– Lief wie geschmiert. Wenig Verkehr. Richtiges Feiertagswetter, kein Regen und kaum Sonntagsfahrer. Hab den Ausflug richtig genossen mit dem neuen Gebrauchten.
– Wieder ein Ford?
– Ja, 15m.
– Der mit der Weltkugel?
– Stimmt.
– Den hat auch Herr Belke, der Mann mit dem Reformhaus auf Rädern. Kommt übrigens aus eurer Stadt.
– Kenn ich nicht. Lotte und ich haben’s nicht so mit Reformwaren. Aber Marianne war ja dafür schon immer zu haben. Als Vegetarierin. – Und du, immer noch die Isabella?
– Ja, die steht in der Garage. Schade, dass es Borgward nicht mehr gibt.
– Wie?
– Ging letztes Jahr bankrott.
– Ach herrje.

– Johannes Beilharz (© 2016)

(100 Wörter)

Warum bist du nur so unpersönlich?

•13. Februar 2016 • Schreibe einen Kommentar

Jade (Foto von Johannes Beilharz, 2016)

Die ihr überreichten Blumen lösten wenig Freude aus. Von einer grellen Lampe beleuchtet waren sie betrachtet worden nach den heftigen Worten. Die ausgelöst worden waren von Misstrauen, Verschlossenheit, der Unmöglichkeit, aus sich hinaus zu schauen und den Blickwinkel in das Innere einer anderen Person zu verpflanzen. Eine schwache Entschuldigung also.

– Justinian Belisar (© 2016)

(50 Wörter)

2015 im Rückblick

•30. Dezember 2015 • Schreibe einen Kommentar

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 19.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 7 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

 
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