Warum bist du nur so unpersönlich?

•13. Februar 2016 • Schreibe einen Kommentar

Jade (Foto von Johannes Beilharz, 2016)

Die ihr überreichten Blumen lösten wenig Freude aus. Von einer grellen Lampe beleuchtet waren sie betrachtet worden nach den heftigen Worten. Die ausgelöst worden waren von Misstrauen, Verschlossenheit, der Unmöglichkeit, aus sich hinaus zu schauen und den Blickwinkel in das Innere einer anderen Person zu verpflanzen. Eine schwache Entschuldigung also.

– Justinian Belisar (© 2016)

(50 Wörter)

2015 im Rückblick

•30. Dezember 2015 • Schreibe einen Kommentar

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 19.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 7 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Ad inspirationem T. B.

•11. November 2015 • Schreibe einen Kommentar

Da hatte er mir also in einem fort erzählt vom Sitzengelassenwerden in seiner Jugend, von der Lungensache, derentwegen er Jahre in Sanatorien verbrachte, und das alles, das war offensichtlich, weil er mich attraktiv fand, obwohl mir angesichts seiner öffentlich proklamierten Asexualität nicht klar war, was es damit auf sich hatte. Er sprach über alles, auch ausführlich und ausschweifend über seinen Hass auf alles Österreichische, den er trotz seines unglaublichen schriftlichen Umfangs mit einem kurzen Winken seiner Hand als Auslassungen einer Kunstfigur als nebensächlich abtat. Der wirkliche Mensch sei nur im Erzählten eines Zuhörenden zu finden und letztlich nur im Tode.

– Nicole Weiß (© 2015)

(100 Wörter)

Im Fleische

•13. Oktober 2015 • Schreibe einen Kommentar

Obatzda

Du sollst dir kein Bild machen.
– Papa Werz im Gymnasium über Max Frischs Andorra

Es ist seltsam, wie eine persönliche Begegnung mit jemand, den man längere Zeit unpersönlich aus einem sogenannten sozialen Netz “gekannt” hat, einen Eindruck radikal verändern kann. So hatte ich zwar einem kleinen Schwarzweißfoto entnehmen können, dass dieser Bildermacher groß und stämmig sein musste und wahrscheinlich eine tiefe, weit tragende Stimme haben würde, was sich als richtig herausstellte – nichts hatte mich jedoch darauf vorbereitet, dass er in kürzester Zeit mit derartigem Heißhunger einen ganzen Teller stinkenden Obatzda mitsamt Zwiebeln vertilgen würde. Allein vom Gedanken an den vermutlichen Geruch seines Mundes wurde mir übel. Die Filme würde ich mir nochmals ansehen müssen.

– Erika Bedardi (© 2015)

100 Wörter

Aus dem Tagebuch einer Schildkröte

•25. August 2015 • Schreibe einen Kommentar

25.8.2015

Den Tag wieder mit Schläfrigkeit und Appetitlosigkeit begonnen. Während mein Kumpan Michelangelo allzu leicht, von dem neuen Kopfsalatblatt angelockt, sein Nachtlager an meiner Seite verließ und bald auch gierig in den Salat hineinbiss, konnte ich mich erst nach einiger Zeit und Überlegung aufraffen, in Richtung Futter aufzubrechen. Wo ich etwas Neues ausmachte, vermutlich Rettichblätter, das mir aber den Kohl auch nicht fett machte. Am meisten stört mich an unserer Lage das Eingesperrtsein in diesem traurigen Gelass. Ich verbringe Stunden damit, hinauszustarren und auf etwas zu warten. Bewegung. Freiheit. In Freiheit, da bin ich sicher, kehrte auch mein Appetit wieder zurück.

– Johannes Beilharz (© 2015)

100 Wörter.

Ein abstrakter Roman in Worten

•2. Juli 2015 • Schreibe einen Kommentar

So dass! Gelb beschleißt Flecken, reißt Handschriften von einem Ding. Saragossa verwest verwundert verschlundert flairdämmert. Aha. In einer verbogenen Ecke. Damit vorgestellt. Licht, Lichtersee am blauen. Wie doch das Sprichtwor erfunden. Noch achtzehn to go. Gespachtelt mit Älterem. Heute Rom, morgen Sieglinde plus Spiegelei minus Schwärmerei. Ein Schuss zum Schluss.

– Johannes Beilharz (© 2015)

(50 Wörter)

Ein langer abstrakter Roman ist kaum anders als Quälerei vorstellbar (so eine Art Finnegans Wake-Variation). Es reicht, wenn man ein paar Seiten liest und eine Ahnung vom Prinzip bekommt. Die uferlose Exekution ist uninteressant.

Die längste Fahrt

•24. Juni 2015 • Schreibe einen Kommentar

Was hat der Cowboy damit zu tun? Was hat er mit dem College zu tun? Ist er eingeschrieben mit seinen Shit Kickers und seinem Stetson? Nur eins ist gewiss: ich liebe. Aber wen? Auch das weiß ich seit dem Unfall nicht mehr, bei dem ich in meinem Pontiac eingequetscht wurde.

– Justinian Belisar (© 2015)

Anmerkungen des Autors
Am Enstehen dieser Ultrakurzgeschichte beteiligt ist eine, so fand ich, ziemlich verwirrende Zusammenfassung des Romans The Longest Ride von Nicholas Sparks (2013).
Shit Kickers (Scheißekicker) ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Cowboy-Stiefel.

(50 Wörter)

 
%d Bloggern gefällt das: