Meine Geburtstagsparty

•6. Januar 2010 • 1 Kommentar

Dieser Mann ist sowas von uncool, es ist zum Schreien! Will, dass wir Ein Loch ist im Eimer, liebe Lisa singen, als ob das nicht schon 1950 in der Hitparade gewesen wäre. Ohne mich! Schlägt dann für die anwesenden “echten” Australier Waltzing Matilda vor. Jemand erschlag ihn bitte – jetzt gleich!

– Elizabeth Sugrue (© 2007)

50 Wörter

Aus dem Englischen von Surendra Sparsh.

Zum englischen Original – My birthday party

Kurzgeschichten verschiedener Autoren

Auf ein anderes Gleis geworfen

•26. November 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Ein toller Mann – groß, schlank, leidenschaftlich heiße Augen, gut gekleidet, eingebildet, an mir vorübergehend interessiert, führt wahrscheinlich eine Strichliste der Frauen, die er verführt hat. Diese brasilianische Sanftheit, das Pantherhafte aus dem Urwald. Und ich darf jetzt heim nach Sizilien mit seinem Mitbringsel unter dem Herzen – wie man so sagt.

– Erika Bedardi ( © 2009 )

Anmerkung der Autorin: Die wahre Geschichte einer Freundin.

50 Wörter

Eine langweilige Geschichte

•31. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Len liebte Aliya, aber Aliya liebte Len nicht. Len vergrub sich in Arbeit und ging abends mit Freunden aus. Er versuchte alles, um Aliya zu vergessen, aber es gelang ihm nicht, da er sie jeden Tag in der Arbeit sah. Eine lange, quälende Geschichte ohne Ende. Eine Bleikugel im Bauch.

– Erika Bedardi ( © 2009 )

50 Wörter

Totenschicht

•28. März 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Es ist ein langer schattiger Gang, in den durch wenige Seitenfenster Licht fällt. Gelegentliches Aufzuggeräusch, Öffnen und Schließen einer der Türen, die in Büros, Küche, Druckerraum oder Toiletten führen. Jemand könnte in dieses Gebäude kommen, acht Stunden lang zur Arbeit dableiben und wieder hinausgehen, ohne jemand anderen getroffen zu haben.

– J. Belisar (Copyright 2009)

50 Wörter

Wer tötete den Vater?

•7. Februar 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Aus den Tagebucheinträgen der Damar Thor

Samstag, 6.2.

Gestern Abend an unserer Schule in einer 3 1/2-stündigen Theateradaption von Dostojewskis “Die Brüder Karamasow” – nicht zu empfehlen. In der vorausgegangenen Nacht hatte ich kein Auge zugetan (meine ewige Schlaflosigkeit plus rastlose, sich im Kreise drehende Gedanken an A.) und nickte deshalb immer wieder ein. Aber in den Gesichtern anderer Zuschauer konnte ich Ähnliches lesen. Verwirrung. Wer war wer? Was hatte das alles miteinander zu tun? Unglaublich Verschlungenes. Der Macho-Offizier-Bruder, der schizophrene Aljoscha, dem der Mord eingeredet werden soll. Iwan der Atheist. Wieviele Brüder? Drei oder Vier? Welcher tötete den Vater?

– Erika Bedardi ( © 2009 )

100 Wörter

Wunschtraum und Wirklichkeit

•13. Dezember 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

“Eigentlich habe ich alles, was ich brauche – zwei Sätze Wäsche zum Wechseln, an Unterwäsche sogar etwas mehr, wenn ich welche trage, meine Beine und ein klappriges Fahrrad zur Fortbewegung –”
“Ganz abgesehen von dem Auto, das ich dir manchmal leihe und immer mit leerem Tank zurückbekomme …”
“Unterbrich mich bitte nicht! … Zu Hause einen Hasen, der mir dann und wann die nackten Füße abschleckt –”
“Ein Kaninchen ist das, kein Hase.”
“Komm mir nicht mit solchen Nebensächlichkeiten! – Wo war ich? Jetzt hast du mich ganz aus dem Konzept gebracht.”
“Die Welt wird’s überleben.”
“Und ich wollte dir meine Philosophie auseinandersetzen – nahebringen – vielleicht hättest du ja was lernen können für dein ausschweifendes, zerstreutes, oberflächliches Leben zwischen Einkaufen, seichten Vergnügungen, Fressen und Saufen.”
“Sex hast du vergessen – viel heißen Sex!”
“Mit wem denn? – Auf jeden Fall nicht mit mir. Das sind jetzt – warte mal – sieben Wochen her. Oder noch länger. Seit deiner vorletzten Periode.”
“Der Mann kann tatsächlich Wochen zählen!”
Er lächelte ein bisschen eitel. Sie sah ihn mit zusammengezogenen Brauen an. Zum Küssen, dachte er, und setzte dazu an. Sie hielt ihn von sich.
“Jetzt hör mal zu: Entweder wir ziehen in Bälde zusammen, du vergisst die Selbsttäuschungen deiner sogenannten Philosophie und die Beschränkung auf zwei Anzüge und den Hasen –”
“Das Kaninchen – hast du selbst gesagt!”
“Unterbrich mich nicht! Entweder das zuvor Gesagte oder gar nichts: du siehst mich nur noch einmal – jetzt gleich und von hinten, weil ich aus deinem Leben verschwinde.”
“Dann nehme ich das ODER,” sagte er, “und etwas mehr Sex. Gern auch von hinten.”
“Ich amüsiere dich anscheinend großartig!” rief sie empört.
Er zog sie heran und küsste sie – und ließ sich diesmal nicht abweisen.

Stunden später im Bett …

“Was machst du denn da für Verrenkungen?”
“Ich angle mir meine Hose.”
“Sag bloß, du brauchst jetzt die Zigarette danach.”
“Nein.”

Endlich fischte er das Gesuchte aus der Gesäßtasche und hielt es ihr unter die Nase.

“Ein Schlüssel?”
“Du hast die Gabe genauer Beobachtung, meine Geliebte.”
“Und wozu?”
“Er gehört zu einer Wohnung, die vielleicht was für uns sein könnte …”
“Und seit wann trägst du den mit dir rum?”
“Lass mich mal nachdenken – seit etwa einer Woche vielleicht.”
“Ekel!”
“Wie bitte?”
“Du bist ein ausgemachtes Ekel!”

– Surendra Sparsh ( © 2008 )

365 Wörter

Bausteine

•1. November 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Backstein! Gebacken – eins, zwei, drei! Speis drauf. Kelle hin und her. Johannas Haus wird gebaut, von Christian. Dabei sind sie noch nicht einmal verheiratet. Aber schön warm isoliert in der Zweisamkeit ihres Kokons der Weltenfortbewegung. Dann und wann gehen sie einkaufen. Zum Obi, zum Beispiel. Weil’s da fast alles gibt.

– Joe Andros ( © 2008 )

50 Wörter

Die magischen Steine

•11. August 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

“Die drei magischen Steine”, sagte der nur mit einem Lendenschurz bekleidete Dicke, “haben mich dazu gebracht, mich an dieser Kreuzung niederzulassen, wo die geflochtene Brücke über den Wasserarm führt. Hier kommen viele Leute vorbei auf dem Weg in den Kapuzinerhaubenwald, der eine besondere Wirkung haben soll. Da drüben seht ihr ihn.” Er wies mit dem Arm hinter sich.
“Und die magischen Steine – was hat es mit ihnen auf sich?”
“Die liegen weiterhin da”, sagte der Dicke, “und bisher hat sie nichts überwuchert, obwohl doch sonst alles überwuchert wird.”
Wir erwiesen ihm unsere Ehrerbietung, hinterließen Speis und Trank und zogen weiter.

– Johannes Beilharz ( © 2008 )

100 Wörter

Zerstreutes Hinausschauen

•11. August 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Was werden wir in diesen Frühlingstagen tun, die jetzt rasch kommen? Heute früh war der Himmel grau, geht man aber jetzt zum Fenster, so ist man überrascht und lehnt die Wange an die Klinke des Fensters.
Unten sieht man das Licht der freilich schon sinkenden Sonne auf dem Gesicht des kindlichen Mädchens, das so geht und sich umschaut, und zugleich sieht man den Schatten des Mannes darauf, der hinter ihm rascher kommt.
Dann ist der Mann schon vorübergegangen und das Gesicht des Kindes ist ganz hell.

– Franz Kafka

Eine Ultrakurzgeschichte von einem der großen Meister des Genres. Diese Geschichte wurde 1908 erstmals in der von Franz Blei und Carl Sternheim herausgegebenen Zeitschrift Hyperion veröffentlicht.

Mein Fotograf, der Stolperer

•10. Juli 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Wie gewöhnlich stolperte Alkiler. Diesmal über seine Kamera, sonst über den Schwanz seines Hundes, die Schürzenbänder seiner Frau. Aber er macht tolle Aufnahmen. Seine Frau hat die tollsten Schürzenbänder, und sie haben zwei Kinder, die glücklicherweise ihr ähnlich sehen, nicht ihrem düster starrenden Vater. Und stolpern tun sie auch nicht.

– J. Belisar (Copyright 2007)

50 Wörter