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Eine heiße Erotikgeschichte

“Du, ich hab bei dieser Hitze einfach keine Lust”, sagte sie, “und ich mag’s nicht, wenn Schweiß zum Gleitmittel wird.”
“Warten wir eben, bis die Klimaanlage wieder anläuft.”
“Außerdem bist du ja auch ganz schlaff.” Sie zeigte an ihm hinab.
“War deine hirnrissige Idee, im Juli nach Indien zu fliegen.”

– Erika Bedardi ( © 2008 )

50 Wörter

Anmerkung
Dieselbe Autorin schrieb auch Eine kalte Erotikgeschichte – die mit Abstand am meisten besuchte Geschichte der Ultrakurzgeschichten.
Von ihr stammen außerdem:
Das Zicklein und seine Probleme mit dem Schnellmerker
Geständnisse
Voll daneben
Ein lauschiges Eckchen in der Großstadt

Des Bananenraubes Verdächtiger von Polizeioffizier verprügelt

(Titel in der Gaceta zur Misshandlung des am Überfall eines Bananenstandes beteiligten Tagelöhners Venustiano Quiroga.)

Subteniente Shylock García von der Polizeitruppe in Fuentecarral war kein Scheusal – nur ein bisschen geschädigt in der Gewissensabteilung und zurückgeblieben in früherer Geschichte, als das Weichmachen von Verdächtigen zur Vorbereitung auf wahrhaftige Aussagen Routine war.

– Iself ( © 2008 )

50 Wörter

Amorphe Bewegung in drei Küssen

“Hier geht es doch gar nicht um Kunst!” schrie Eugen mit erhitztem Gesicht und Erbitterung.

“Wie ihr Modernen doch immer allem die Substanz abgrabt!
Das soll eine Frau sein? Sieht aus wie ein verbogener Kleiderbügel und überhaupt ihr Haar wie ein Betonklotz, und eine Vulva wie Kakaoschalen!
Schönheit, Pracht, prall volles Leben, Leidenschaft, Liebe – dazu seid ihr nicht fähig!”

Filisterhafter Tiefschlag für die Vernissage. Schönes, schönes Wort – noch nie Vernissage gewesen?

Die Frau in seiner Begleitung nahm den Erregten am Arm.

Zögerlicher Abtransport eines zerbrochenen Rahmens.

Ein Blick hinaus und hinab – dort schluchzte Eugen, und die zitronenhafte Frau im hängenden Blumenkostüm mit ihren bleichen dünnen Waden stopfte ihn in die Beifahrerseite eines dunkelgrünen Citroën hinein. Dann verweilte ihr Kopf vor seinem.

Mindestens drei Küsse, mindestens drei Küsse, mindestens drei Küsse.

Feuchte rote Lippen wie blutgeschwellte Hibiskusblüten.

Johannes Beilharz (© 2005)

(136 Wörter – und damit völlig regelwidrig)

Das Zicklein und seine Probleme mit dem Schnellmerker

Eines Morgens fasste er sich schließlich ein Herz und hielt sie auf dem Gang an.
“Julie?”
“Ist was?”
“Das frage ich dich. Seit Wochen redest du nicht mehr mit mir, gehst mit gesenktem Blick an mir vorbei. Also sag mir bitte nicht, dass nichts los ist.”
“Und nun?”
“Wär nett, wenn du mich einweihen würdest.”
“Du blickst wohl gar nichts.”
“Kann schon sein. Aber da ich’s offenbar nicht blicke, musst du mich aufklären.”
“Erinnerst du dich, dass du mir alles erzählt hast letzten Herbst – über deine Eheprobleme, deine Depressionen – das ganze Zeug? Bis in alle Intimitäten.”
“Ja, natürlich erinnere ich mich.”
“Und jetzt lasst ihr euch scheiden.”
“Ja.”
“Sogar einen Rechtsanwalt habe ich dir empfohlen.”
“Dafür danke ich dir.”
“Und?”
“Wie und?”
“Hast du dir dabei gar nichts gedacht?”
“Dass ich dir das alles erzählt habe?”
“Ja. Das hast du einfach so getan?”
“Es tut mir leid, dass dich das zu sehr belastet hat.”
“Blödsinn. Sowas erzählt man doch nicht jedem.”
“Allerdings. Du hast mir ja auch von dir und deinen Problemen, von deiner Scheidung erzählt. Ich dachte, wir wären Freunde.”
“Freunde! Dass ich nicht lache.”
“Solche Dinge erzählen sich gute Freunde. Oder etwa nicht?”
“Das war’s dann also?”
“Ich tappe immer noch vollkommen im Dunkeln.”
“Weiter hast du dir gar nichts gedacht?”
“Weiter? Ich fand es schön, dass ich dir diese Dinge erzählen konnte. Und fnde es schade, dass das nun offensichtlich zu Ende ist.”
“Ha!”
Es entstand eine Pause, während der er nachdachte und sie, wie er es von ihr kannte, ungeduldig von einem Bein aufs andere trat.
“Hast du angenommen, ich hätte dir das alles erzählt, weil ich an dir als Frau interessiert wäre? – Entschuldige, aber das ist der einzige Grund für dein Verhalten, der mir einfällt.”
“Arschloch!”
Und damit stolzierte sie hastig weg, mit gesenktem Blick.

– Erika Bedardi ( © 2008 )

300 Wörter

Hier und hier und hier

Es gibt nur hier, nur hier ist. Hier ist alles Glück, hier ist Verwirklichung, hier ist alles Ziel, hier sind wir eins. Alles andere ist Eindrängsel, ist nur noch Rauschen anderer Wellen, die längst ausgetönt haben. Die es nicht mehr gibt. Nie gegeben hat. Hier ist hier, hier ist alles.

– Raimon Blanco ( © 2008 )

50 Wörter

Anmerkung des Herausgebers
Ist dies nun der letzte Teil der Fortsetzungsgeschichte in Fragmenten von Raimon Blanco?

Teil I: Die Moderne grillt mich
Teil II: Die erleuchtete Bergstadt
Teil III: Oben in der Stadt
Teil IV: Neues aus der Bergstadt

Liebe, Lust und Wahnsinn in Twilight Manor

Twilight Manor

Das irre Kreischen Schwester Monicas nach Einfall der Dunkelheit, die blutrosen Rosen, die aus den Teppichen in den Gängen zum Leben erwachen und aufsprießen, unter den Türen in die Korridore hinausfließende Blutlachen, graue geflügelte Kreaturen, die den schwülen Nachthimmel bevölkern…

Ach Anna, meine Geliebte, wie konnte ich nur zulassen, dass sie dich in Twilight Manor einlieferten – Opfer des lasterhaften Dr. Roonstone mit seinen Krottenaugen und öligen Fingern und seines krummbuckeligen Handlangers Lem Bloke? Durch Knoblauch und Kreuz geschützt, tötete ich vorgestern zwei Wärter mit Silbernägeln. Ins Innere bin ich vorgestoßen, bringe den Unholden kalte Rache und dir – Tod und Freiheit.

– James Steerforth ( © 2008 )

Aus dem Englischen von Surendra Sparsh.

100 Wörter

Cynthia und ich liebten uns einst

Jetzt scheint sie mich nicht mehr zu kennen. Sie ruft nicht an, sie schreibt nicht. Sie hat mich auf den Mond geschossen. Ich bin hinter dem Mond. Sie ist vorne. Man könnte sagen, dass wir eine Mondaffäre haben. Der große Gelbe hält sich raus, nimmt zu und ab wie sonst.

– James Steerforth ( © 2008 )

50 Wörter

Kleines manieriertes surrealistisches Theater

“Siehst du die Blume da?”
“Es ist eine kristallene Kerze, und sie ist nicht da, sondern dort.”
“Ja, es ein schwarzes Kreuz, das sich allmählich grünlich aus dem Grabe hebt. – ‘Näher mein Gott zu dir’.”

Die verkrüppelte Spätzin* saß ungerührt, während die hochmütige Krähe weiter gedankenvoll langsame Ringe aus ihrer Pfeife aufsteigen ließ. In ihren zärtlicheren, weniger streitsüchtigen Momenten nannten sie sich Dr. Johnson und Süße Louise.

Schließlich wurde die Stille der düsteren Bibliothek unterbrochen, als die Elritze im rot-weiß-karierten Schürzchen mit dem Silbertablett hereintrippelte**, um den 5-Uhr-Tee zu servieren.

* ihr fehlte ein Flügel
** auf dem Ende ihres Schwanzes

100 Wörter

– James Steerforth (© 2007)

Anmerkung
Die deutsche und erweiterte Version einer ursprünglich im Blog des Autors veröffentlichten englischen Ultrakurzgeschichte.

Ein Wüstentraum

Desert Dream

In dem gelben Kalkhaus am Fuß der Düne ein Gecko an der Decke, ein Skorpion am Boden bei meinen umgefallenen Stiefeln. Eine Tauträne löst sich. Ein Hauch von der Fensteröffnung bewegt das leichte weiße Tuch, das mich auf meiner hölzernen Liege bedeckt. Wie ich möchte, dass dieser Luftatem nie enden möge. Er könnte dem glutheißen Tag, der bald einsetzen wird, Einhalt gebieten. Ihm und den schwarz vermummten Gestalten, die kommen werden. Ich bin hierher geflohen vor der Gesellschaft, die das Ihrige zurückhaben will. Alles ist nur geliehen. Es ist nur recht und billig, dass die schwarzen Gestalten mich holen werden.

– Surendra Sparsh (© 2007)

(100 Wörter)

Eine Kung-Fu-Liebe

Aus dem Himmel wurde ich in den Dachstuhl eines rotgestrichenen Tempels katapultiert, kam schwankend zum Stehen, brach gleich durch die Diele, auf der ich gelandet war, und fiel stocktief durch Gebälk, bis ich, an den Füßen aufgehängt und den Kopf unter einem Sparren, in die Haupthalle hinabschaute. Dort knieten nebeneinander Mai-Lin, schön wie eine Porzellanpuppe, und ein Mann.

Ich rief ihren Namen und erkannte noch in diesem Ruf, dass ich an einer Schwelle stand, an der ich zum ersten Mal wusste, dass mir meine jahrelange Suche nach ihr durch Raum und Zeit keinerlei Anrecht auf eine Zukunft mit ihr gab.

— Harry Wong (© 2007)

100 Wörter