Ein ungeklärter Kurzfilm

Die Straßen von Rom (Via Joyce)

Eine Großstadtvorstadt. Vielleicht Italien, vielleicht Rom. Eine schmale, löchrige Straße mit Grünstreifen und Bäumen in der Mitte, auf beiden Seiten achtstöckige Wohnblocks, gebaut ca. 1985, mit Gebrauchsspuren.

Kamera auf Adrian in der aufgeräumten, etwas leer und unbenutzt anmutenden Küche seiner Wohnung im fünften Stock des Wohnblocks links.

Er schaut auf die Armbanduhr, dann die Küchenuhr. Öffnet die Tür zum Balkon, geht hinaus und ans Geländer.

Blick auf die Balkone des gegenüberliegenden Wohnblocks. Zoom auf den Balkon direkt gegenüber. Nach kurzer Zeit geht die Tür zu diesem Balkon auf und eine Frau im Morgenmantel mit duschnassem Haar tritt heraus.

Unser Held beobachtet die Frau.

Die Frau betastet die Erde eines Blumenkastens, holt auf der linken Ecke des Balkons eine Gießkanne und gießt nacheinander alle vier Blumenkästen.

Sie stellt die Gießkanne wieder an ihren Platz, kommt zurück zum Geländer und schaut. Es könnte sein, dass sie auch Adrian anschaut.

Sie zupft sich kurz das Haar zurecht. Sie verlässt den Balkon, schließt die Tür und lässt die Rollos von Tür und Fenster herab.

Fokus auf Adrian, der weiterhin am Geländer seines Balkons steht. Seine Hände sind am Geländer verkrampft. Blick in sein Gesicht – seine Züge arbeiten, er hat Tränen in den Augen.

Ende.

– Nicole Weiß (© 2016)

(200 Wörter)

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~ von ultrakurz - 12. Mai 2016.

4 Antworten to “Ein ungeklärter Kurzfilm”

  1. Ich finde dass ihre Kurzgeschichte gut gelungen ist.
    Besonders gefällt mir die große Interpretationsfreiheit die dem Leser hier gewährt wird, z.B. in der Frage „was ist die Vorgeschichte der Beiden?“ oder „Warum weint Adrian auf dem Balkon?“ .
    Dies regt viel zum Nachdenken an und das macht diese Kurzgeschichte für mich besonders interessant und angenehm zu lesen.

    Weitere Fragen die mich beschäftigt hatten waren außerdem „warum überprüft Er die Uhrzeit auf der Armband Uhr UND der Küchenuhr?“ oder besonders auch „Warum hat die Frau die Rollos runtergelassen? – Hat sie Etwas zu verbergen?“
    Diese vielen Fragen regen den Leser beziehungsweise mich sehr zum Nachdenken an und bringen mehr Leben in das sonst so simple Durchlesen der Kurzgeschichte.

  2. Ich finde dass ihre Kurzgeschichte gut gelungen ist.
    Besonders gefällt mir die große Interpretationsfreiheit die dem Leser hier gewährt wird, z.B. in der Frage „was ist die Vorgeschichte der Beiden?“ oder „Warum weint Adrian auf dem Balkon?“ .
    Dies regt viel zum Nachdenken an und das macht diese Kurzgeschichte für mich besonders interessant und angenehm zu lesen.

    Weitere Fragen die mich beschäftigt hatten waren außerdem „warum überprüft Er die Uhrzeit auf der Armband Uhr UND der Küchenuhr?“ oder besonders auch „Warum hat die Frau die Rollos runtergelassen? – Hat sie Etwas zu verbergen?“
    Diese vielen Fragen regen den Leser beziehungsweise mich sehr zum Nachdenken an und bringen mehr Leben in das sonst so simple Durchlesen der Kurzgeschichte.

  3. Meine Reaktion auf die Kurzgeschichte „ein ungeklärter Kurzfilm“ ist sehr positiv ausgefallen. Durch die kurzen Sätze und offenen Fragen wird dem Leser viel Interpretationsraum gelassen. Dies führt dazu, dass man sich über die Geschichte Gedanken macht und sich selber eine Vor- und Nachgeschichte überlegt. Des Weiteren passt auch der Titel zu der Geschichte, da durch die viele offene Frage des Textes auch noch nicht ganz geklärt ist. Außerdem erfüllt die Geschichte viele Merkmale einer Kurzgeschichte. Jedoch ist die Geschichte nicht sehr spannend.
    Alles im allen finde ich jedoch die Kurzgeschichte gelungen, da man seiner Fantasie freien lauf lassen kann. Ich gebe vier von fünf Sternen.

  4. Liebe Nicole Weiß,
    wir haben Ihre Kurzgeschichte im Rahmen unseres Deutschunterrichtes zum Thema Ich-Suche/Entfremdung gelesen.
    Durch Ihre Auslassung einiger Informationen im Text, ließen Sie uns Platz für unsere eigenen Interpretationen, wobei sich uns die Frage gestellt hat, ob dies ihre Absicht war. Wir haben diese Lücken in Form eines kurzen Theaterstückes zur Vor- sowie Nachgeschichte gefüllt.
    In unserer eigenen Interpretation war Adrian in die Frau verliebt, sie jedoch nicht in ihn. Durch den Freund von der Frau zerbrach die Freundschaft der beiden und er war der Held, weil er sie gehen ließ damit sie glücklich wird. Zwölf Jahre später waren sie wieder Freunde und beide verheiratet.
    Ihr Schreibstil erinnerte uns an ein Storyboard eines Filmes. Die Regieanweisungen im Text wie z.B „Kamera auf Adrian (…)“ unterstützen unserer Meinung. Der nicht ganz vorhandene Lesefluss, lässt ebenfalls Interpretationsfreiraum.
    Wir haben uns mit dem Aufbau einer Kurzgeschichte befasst und diesen mit Ihrer Geschichte verglichen. Dabei ist aufgefallen, dass so gut wie alles vorhanden ist.
    Das Ziel, dass wir in der Geschichte gesehen haben, ist das genauere Befassen mit ihr.

    Zusammenfassend ist Ihnen die Kurzgeschichte gelungen, da sie uns zur Kreativität angeregt hat, durch ihren Interpretationsfreiraum.

    Liebe Grüße
    Ihr Deutschkurs (EF)

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