Habe das Internet gelöscht

(Auszüge aus den Tagebuchnotizen des Archibald F. W. Schneiderle)

Habe das Internet gelöscht. Nichts mehr zu sehen.
Was wird das für Auswirkungen auf die Welt haben? Mache mir Sorgen.
Zum Frühstück zwei schlaffe Wecken (Brötchen, Semmeln oder Schrippen) von gestern und Kaffee, aber zu kalt, weil nicht gleich trinkbar. Zuerst zu heiß, dann Telefonanruf wegen Kaminfegen morgen, danach kalt.
Habe vor, wegen eines Sonderangebots heute zu Lidl zu gehen. (Sonderangebot gesehen, bevor ich das Internet löschte.) Jetzt ist gar nichts mehr da.
Schnürsenkel (hochdeutsch: Schuhbändel) gerissen. Verkürzt neu eingefädelt, geht so, bis ich neue kaufen kann. Die alten waren sowieso zu lang und gingen ständig auf, weil ich wegen ihrer Länge auf sie trat.
Leonie sagt, sie will nichts mehr mit mir zu tun haben, ich sei ein “pète-sec” (schreibt man das so?). Bin mir über die Bedeutung nicht klar. Hat mich früher schon “fuddy-duddy” genannt, das geht vielleicht in die gleiche Richtung. Kenne mich mit diesen Sprachen nicht so aus.
Leonie und ihre Übersetzer-Freunde! Die kriegen doch nichts auf die Reihe als groß angeben und wählerisch sein in vielen Sprachen. Insbesondere die Mexikaner missfallen mir wegen ihrer Flatterhaftigkeit. Aber mit denen geht sie immer aus, weil sie gut tanzen können. Soll sie sich halt einen von denen anlachen. Hatte ja schon längst den Verdacht, dass mit diesem Xavier was läuft.
Leonie schickte gerade eine SMS, dass es ihr leid tut! Ich sei doch ganz ok. Tränen ;;
Und das per SMS.
Was mache ich mit der Frau?
Liebe ich sie oder rede ich mir das nur ein?
Vorhin kam eine Drohung, weil ich das Internet gelöscht habe. Von einem Herrn Fesl per E-Mail. Es klang jedenfalls wie eine Drohung. Irgendwas von “würde mich nicht wundern, wenn dir in Kürze was passieren sollte”.
War auf Russisch, hab’s mir von Google übersetzen lassen.
Hallo! Heißt das, das Internet ist wieder da?
Gleich Leonie eine SMS geschickt, dass es wieder da ist. Sie muss das unbedingt wissen, weil sie es als als Übersetzerin braucht. Mehr als ihre sonstigen Wörberbücher.
Habe das jetzt auch alles getwittert. Funktionierte, obwohl Twitter meines Erachtens nicht zum Internet gehört.
Facebook schon eher, denke ich.
Twitter ist eher ein Zwitter.
Oder verstehe ich das falsch?

– Justinian Belisar (© 2012)

(365 Wörter)

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~ von ultrakurz - 5. Februar 2012.

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