Ein Mann namens K.

“Selbst nach wiederholter Zahlungserinnerung konnten wir bislang noch keinen Zahlungseingang verzeichnen.”
Knalltüten! Ich hatte nie im Leben etwas bei dieser Firma bestellt. Hatte Ellen etwa? Nein, unmöglich. Also ab in den Papierkorb mit dem Mist.

Eine Woche später rief eine freundliche, bestimmte Frauenstimme an.
“Herr Kiefer?”
“Am Apparat.”
“Ich rufe an im Auftrag der Firma Novotyn Specialty Products. Und zwar habe ich hier einen Inkassoauftrag vorliegen.”
“Hören Sie, da muss ein Missverständnis vorliegen. Ich habe von dieser Firma niemals etwas gekauft oder geliefert bekommen.”
“Es liegt kein Missverständnis vor. In meinen Unterlagen befindet sich eine von Ihnen unterzeichnete Bestellung über fünf Gartenlauben. Mit Ihrer Anschrift und Telefonnummer.”
“Hören Sie –”
“Unser Mitarbeiter Pavel Woinowitsch sucht Sie übermorgen auf. Halten Sie Bargeld bereit.”
Klick.

“Ellen, hast du irgendwann bei einer Firma Novotyn Gartenlauben bestellt?”
“Gleich im Plural? Du spinnst wohl.”
“Dachte ich doch.”

Auf zur Polizei, dem Freund und Helfer.
“Und diese Rechnung haben Sie einfach weggeworfen?”
“Ja. Weil sie unberechtigt war.”
“Und was sollen wir jetzt für Sie tun, bitteschön?”

War ja noch längst nicht alles verloren!
Der Mitarbeiter Woinowitsch tauchte auf – ein Schrank von Mann in dunklem Anzug, mit gefetteter Halbglatze – und war zu meiner Überraschung gewillt, mich zur Polizei zu begleiten.

“Ihren Personalausweis bitte, Herr Kiefer.”
“Hier.”

“Wir haben da anscheinend ein größeres Problem”, sagte der Beamte, als er zurückkam. Woinowitsch schaute mich ausdruckslos, vielleicht eine Spur höhnisch an.
“Problem?”
“Ja, mit Ihrer Identität. Sagt Ihnen der Name Joachim Jäger etwas?”
“Nein. Sollte er?”
“Wollen Sie etwa leugnen, dass Sie Joachim Jäger sind?”
Ich schnappte nach Luft.

“Jäger ist ein aktenkundiger Identitätsdieb. Und jetzt sehen Sie doch bitte diese Fotos da an. Und die Schriftproben. Und dann sagen Sie mir, ob Sie immer noch behaupten wollen, Kiefer zu heißen.”

Ich schaute zu Woinowitsch hinüber, der sich die schwitzende Stirn wischte.

– Justinian Belisar (Copyright 2007)

300 Wörter

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~ von ultrakurz - 16. März 2007.

3 Antworten to “Ein Mann namens K.”

  1. Hm. Ganz erschließt sich mir das Ende der Geschichte noch nicht.

  2. Ich denke, der Autor will den Leser ganz bewusst hängen lassen.

    Zum Endzustand sind 2 Sachverhalte zu vermerken:

    1. Kiefer (Jäger?) scheint in einem schlimmeren Schlamassel zu stecken, als nur dem der falschen Rechnung.

    2. Auch die Karten von Woinowitsch sind schlechter geworden, falls Kiefer in Wirklichkeit Jäger ist. Deshalb, vermute ich, schwitzt W. am Schluss.

  3. Gut, so ähnlich hab ich das auch schon gesehen. Aber, wie gesagt, ganz klar ist es mir nicht.

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